Ein paar Worte über die Nächstenliebe

Nächstenliebe, Toleranz, Verständnis und gegenseitige Akzeptanz sind Begriffe, die man in Verbindung mit anderen Menschen bringt. Zumindest bringen sollte, denn für so manchen scheinen diese Worte nur leere Worte zu sein. Wenn man an den alten Mann, den Nachbarn von nebenan denkt, der dankbar wäre, wenn jemand für ihn den weiten Weg zum Supermarkt geht und ihm das Nötigste einkauft.

Oder das kleine Kind, das sich verlaufen hat und nun dankbar ist, wenn jemand ihm den Weg zurück nach Hause erklärt. Selbst da reicht es manchmal nicht, weil man sich hinter Ausreden und der stets knappen Zeit versteckt. Und doch sind wir in unserem eigenen Land ganz schnell mit helfen. Jedenfalls dort wo Hilfe am wenigsten gebraucht wird. Wir haben auch hier hungrige und notdürftige Menschen, die Hilfe dringend bräuchten. Doch entweder werden sie vergessen oder man interessiert sich nicht für sie. Es sind die Menschen, die sich keine Kleidung leisten können, ganz zu schweigen von einer Wohnung. Und darum auf der Straße leben. Kinder werden gedemütigt, geschlagen und erniedrigt, keiner unternimmt etwas. Es ist schlimm, wenn Kinder unter diesen Bedingungen leiden müssen. Gesprochen wird nicht drüber. Jeder macht sein eigenes Ding. Im heimischen Wohnzimmer oder der Küche spekuliert man über die Schlagzeilen aus der Welt, die am Ende doch nur aufgeheizte Gerüchte sind. Manchmal kommt es mir so vor, als ob man nicht verstehen will. Nicht sehen will, wo Hilfe wirklich nötig ist. Man kümmert sich lieber um sich selbst, weil man dort angeblich genug zu tun hätte.

Aber Zeit findet man dann doch, um sinnlose Hassparolen zu rufen und im Internet zu verbreiten. Sporthallen, in denen Menschen übergangsweise leben, werden in Brand gesetzt, Kirchenfenster eingeschlagen. Das alles nur, weil man den Medien zu viel glaubt. Dabei sind es die, die aus einer „Mücke einen Elefanten“ machen. Das möchte man aber natürlich nicht glauben. Die Politik steht vor einem Kollaps, weil sie nicht einsehen will, dass man zwar aus den Fehlern der damaligen Geschichte lernen sollte, doch dies nicht immer der Fall ist. So werden fremde Menschen aus fernen Ländern wie Syrien oder Afghanistan zu Werkzeugen der Politik. Menschen, die wirklich Hilfe benötigen, weil sie auf der Suche nach Frieden alles verloren haben, sind keinesfalls die Menschen, die nicht genug haben können. Im Gegenteil. Sie beabsichtigen niemanden auszubeuten, sondern mussten lange Zeit um ihr Leben bangen und haben jetzt die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, wenn man sie denn lässt. Wenn man keine Angst hat, dass jemandem etwas weggenommen wird, nicht der Arbeitsplatz und auch nicht das Geld, das man im Geldbeutel hat. Ein Zitat von Martin Luther King bringt es gut auf den Punkt: „Wenn wir nicht lernen, miteinander als Brüder zu leben, werden wir als Narren miteinander untergehen.“

Sind wir dazu überhaupt noch fähig, wo wir in einer solch materialistischen Welt leben, wo man nahezu alles an modernster Technik haben kann, koste es was es wolle? Ob man sie braucht oder nicht. Wo wir selbst den Nachbarn beneiden, der mit dem neuesten Auto vorfährt? Egal wie er es auch finanziert hat. Oder man zu bequem ist, erst die Hintergründe einer Geschichte zu hinterfragen, statt gleich zu kritisieren? Der erste Eindruck muss nicht immer der Richtige sein. Vielleicht sollten wir wieder lernen, erst zu verstehen und dazu gehört eben auch, zunächst das Unverständliche zu hinterfragen. Auch bescheiden zu sein, scheint selten geworden zu sein. Weihnachten ganz klassisch zu feiern und zwar so, dass Geschenke nicht im Mittelpunkt stehen, sondern die Familie, kennen wohl nur noch die wenigsten. Dabei macht es dieses Fest erst so wichtig. Es gibt auch heute noch sehr vieles, was wirklich zählt. Und Nächstenliebe gehört ganz klar dazu. Über Werte wie Toleranz, Verständnis und Akzeptanz, die unser zivilisiertes Zusammenleben möglich machen, sollte viel häufiger gesprochen und nachgedacht werden.

Denn sonst zählt am Ende vielleicht nicht mal mehr das.