Abschied und Loslassen

Ich habe schon oft gehört, dass jemand sagte: „Du bist für mich gestorben.“ In Zusammenhang mit einem lebenden Menschen, der gesund und fit ist wie ein Turnschuh, finde ich ihn fehl am Platz. Er hat möglicherweise einen Fehler gemacht. Na und. Soll er deshalb wirklich bis in alle Ewigkeit verdammt sein? Was aber wäre, wenn man versucht demjenigen zu verzeihen? Immerhin, so schwer ist es nicht. Man kann es lernen. Denn was, wenn dieser quicklebendige Mensch nicht mehr leben würde? Wenn er tatsächlich am nächsten Tag nicht mehr da ist? Dann würde man mit Sicherheit die Worte doch eher mit Bedacht wählen. So wie es sein sollte. Jedes geäußerte Wort kann man nicht zurückholen. Darum wäre es doch besser, wenn man selbst bei einem Streit nicht allzu lange sauer ist. Schon gar nicht nachtragend und auch mal derjenige ist, der nachgibt. Eigentlich kann es so einfach sein. Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn man zerstritten ist und kein Weg mehr zurück führt. Bei mir wären das Gründe wie Diebstahl, Betrug und permanentes Lügen. Da ist dann bei mir irgendwann die letzte Türe geschlossen.

Jetzt könnte man sich vorstellen, derjenige wäre für den anderen gestorben. Kann man, nützt nur nicht viel. Der Tod ist etwas endgültiges, den trickst keiner aus.

Das Gefühl der Traurigkeit ist nicht ganz so schlimm, wenn man weiß, der andere lebt noch. Ich würde mich dann schon ab und zu fragen, wie es ihm wohl ergehen mag. Ob er sich verändert hat und vielleicht ehrlicher geworden ist. Die Chance besteht, dies noch zu erfahren. Ist jemand verstorben ist es natürlich endgültig vorbei und einige Fragen bleiben offen. Da schaut man hoch zum Himmel und fragt sich, ob es ihm wohl gut geht, dort wo er jetzt ist. Dann ist alles vergessen, alles vergeben.

Oder ein anderes Beispiel: Ein Freund zieht aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt, ganz weit weg von seinem bisherigen Wohnort, seinen Freunden und seiner Familie. Man würde ihn trotz der modernen Zeit, in der wir leben, vermissen. Aber man weiß, er ist da. Man kann ihn jederzeit anrufen oder besuchen.

So einfach ist es mit einem verstorbenen Menschen nicht. Ihn hat man gern gehabt, geliebt und er war ein fester Bestandteil des eigenen Lebens. Viele schöne Jahre hat man mit ihm verlebt. Ich halte nicht viel von der Aussage „wir haben gerade einen geliebten Menschen verloren“. Denn verloren hat man ihn nicht. Er lebt immerhin in unserem Herzen weiter. Man hält ihn fest. Und überhaupt, die Begegnung mit diesem Menschen ist kein Verlust, sondern bestenfalls eine Bereicherung gewesen. Man vergisst ihn nicht. Und besuchen kann man ihn auch. Am Grab, wo man ihm auch Blumen mitbringen und mit ihm reden kann. Diese liebgewonnene Person ist gegangen, verstorben, dennoch ist er nicht verloren. Wir wissen alle, das Leben besteht aus Vergänglichkeit.

Menschen gehen unterschiedlich mit Situationen um. Der eine weint tagelang immer und immer wieder. Der andere nimmt Abschied, indem er schweigt und sein Umfeld kaum etwas von dem mitbekommt, was in ihm vorgeht. Aber wie auch immer man mit der Trauer umgeht, der Mensch, der gegangen ist, wird ein Leben lang fehlen. Es gibt nur Wege damit klar zu kommen und irgendwann lässt man dann auch ein Stück weit los. Den Menschen allerdings wird man nie vergessen. Darum, vergessen ist ein Mensch nie.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Beitrag derzeit Trauernden etwas Mut macht. Vielleicht macht er auch nachdenklich, möglicherweise macht er auch stark für einen Abschied, der bevorsteht. Wie auch immer. Ich wünsche mir, dass dieser Blogbeitrag die richtigen erreicht.