Aus dem Leben eines Autors

Ich bin am Chemnitzer Schlossteich und stehe schon eine Weile hier. Es gibt mir so viel, einfach die Seele baumeln zu lassen und an nichts zu denken. Einfach nur dazustehen oder zu sitzen und an nichts zu denken. Dass sich dann meine Fantasie regt und mir Ideen zu einer Kurzgeschichte kommen, davon gehe ich nicht aus. Doch so ist es meistens.

Deswegen bin ich am liebsten an diesem See. Denn ich weiß, hier treffe ich auf ganz unterschiedliche Menschen, die ihre eigene Geschichte haben. Ich mustere sie unbemerkt. Und später, als ich bei einem Kaffee am „Milchhäuschen“ sitze, beobachte ich, wie sie spazieren gehen und sammle weitere Eindrücke. Die Fantasie in meinem Kopf hat längst begonnen sich zu regen. Plötzlich habe ich die ersten Ideen zu einer neuen Geschichte. Eine kleine Liebesgeschichte. Vielmehr eine zwischenmenschliche Erzählung, die für eine Kurzgeschichte reicht. Am Rand des Sees schwimmt ein Schwan vorbei. Allein, auf der Suche nach einer Gleichgesinnten. Und schon geht es wieder los. Die Vorstellung beginnt. Eine neue Idee entsteht. Diesmal für eine Kindergeschichte. „Der einsame Schwan“ oder so, geht es mir durch den Kopf. Ich nehme mein Notizbuch heraus und schreibe die Gedanken auf. Es sind so viele verschiedene, dass ich kaum mit dem Aufschreiben hinterher komme. An diesem Nachmittag fahre ich mit dem Bus nach Hause und ergänze in meinem Notizbuch einige weitere Details. Es steigt eine Frau ein, die ein kleines Kind, vielleicht vier Jahre, an der Hand hält. Sie suchen einen Platz und setzen sich. Sie schaut zu mir. Es entgeht mir nicht. Ich lächele sie freundlich an, sie schaut freundlich zu mir. Irgendwann steigt die Mutter mit dem Kind aus. Und ich schreibe immer noch in meinem Notizbuch. Unbewusst schreibe ich schon in Stichpunkten an dem ersten Kapitel. Solche Tage habe ich oft und so entsteht eine Geschichte nach der anderen.